Traumglaskugeln


Hinter mir fällt die Tür mit einem Klacken ins Schloss.
Ich stehe in der Dunkelheit. Nur die Aufzugsruftaste leuchtet orange.
Ein Rauschen der Leitungsrohre über mir.
Ich erschrecke, weil es nach Horrorfilm klingt.
Im selben Moment ist der Aufzug da, die Türen öffnen sich und diffuses Licht erhellt den Keller.
Die Szene ist perfekt.


Ich stelle mir vor, wie du da im Aufzug stehst und mich anlächelst.
Ich stelle mir vor, wie du deine Arme ausbreitest und auf mich zukommst.
Ich stelle mir vor, wie du mich in deine Umarmung ziehst und mir Sicherheit gibst. Mir sagst, dass alles schon gut werden wird. Dass du da bist. Für mich einstehst.


Stattdessen sehe ich nur mein müdes Gesicht im Aufzugsspiegel. Meine Augen sind leicht gerötet von der Anstrengung der letzten Tage. Nein, ich habe nicht geweint, obwohl es nötig für meinen Seelenfrieden gewesen wäre. Ich konnte nicht. Es ist, als würde die Entfernung zu dir auch dem langen trockenen Weg zu meinen Tränendrüsen entsprechen. Ich wäre gern bei dir. Egal, was andere darüber sagen. Aber als die Aufzugstüren sich wieder öffnen, ist mein Tagtraum kaputt – wie eine Glaskugel fallengelassen – und ich wieder im Büro.

2013


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